Es dauerte noch einige Zeit, bis er einschlief. Als er
aufwachte, war sie immer noch da. Und sie würde es auch bleiben, damit er nicht
allein sein musste in dieser Welt. Sie würden ihn begleiten. Ohne ihre Flügel
denn diese hatte sie abgelegt. Sie war eine Gefangene, gefangen auf dieser
Erde, bei den Menschen. Bei ihm. Sie war wie er, und doch war sie es nicht.
Auch nur ein Wesen, ein ganz besonderes Wesen. Jemand der beschützte, Kraft
gab, auf der Straße des Lebens immer an der Seite war, egal was kommen würde.
Egal was andere sagten oder taten. Sie würde an seiner Seite sein. Solange sie
konnte. Sie war kein Engel mehr, doch in ihrem Herzen trug sie immer noch die
Flügel.
Er sah ihr lange in die Augen. „Du bist immer noch da.“
„Ja.“
Lange Zeit war sie bei ihm, sie tröstete ihn und half ihm,
wie nur Engel es können. Gab ihr Liebe und die Sicherheit, jemandem vertrauen
zu können, schenkte ihm das Lachen. Er musste nicht mehr allein sein. Sie
begleitete ihn. Ging mit ihm den Weg durch das Leben. Er wurde größer und
älter.
Und sie begann wieder richtig zu leben, lernte erneut zu
lieben, zu lachen und zu vertrauen. Und in ihrem Lachen sonnte er sich, sowie
er sich an dem lebensfrohen Funkeln in ihren Augen wärmte ... und plötzlich
bemerkte er, wie sich eine unheimliche Schwere auf seinen Schultern, die ihm
nie bewusste gewesen war, löste... Er sah sich an und sah seine Flügel, von
Tränen schwer, langsam von der Wärme ihres Lachens trockneten und wieder voll
erblühten.
Er begann zu leben, lernte zu lieben, zu lachen und zu
vertrauen. Er wurde größer und älter. Wenn sie lachte, sonnte er sich darin,
wenn sie streng wurde, dann zog er den Kopf ein, doch er wusste ihre Liebe war
für ihn egal was sein würde. Seine Augen wurden lebensfroh, seine Brille wurde
dünner, er hatte durch sie gelernt stärker zu sein, er wusste er war nicht
allein auf dieser Welt. Sie sah ihn immer wieder an, mit einem Lächeln das er
oft gar nicht bemerkte. Die Last auf ihren Schultern wurde leichter, diese
unheimliche Schwere löste sich langsam. Je älter er wurde, je selbständiger er
in die Welt hinaustrat.
Heute viele Jahrzehnte später, aus dem kleinen Jungen ist
ein Mann geworden. Aus diesem Mann ist ein Vater geworden. Dieser Mann keine
Angst mehr allein auf dieser Welt zu sein, heute steht dieser Mann mitten im Leben.
Heute schenkt er anderen ein Lächeln. Er ist seinen Weg gegangen, und sie hat
ihm diesen Weg bereitet, hat ihm Kraft und Liebe geschenkt. Hat seine Tränen
getrocknet, und ihn zum Lachen gebracht. Sie hat ihm die Angst genommen.
Er sah sie an, heute schenkte er ihr ein Lächeln, gab ihr
Kraft und Zuversicht. Er nahm ihr die Last von den Schultern, die last die ihre
Flügel die ganzen Jahre nach unten gedrückt hatte. Mit der Wärme des Lachens
trockneten diese Flügel die durchdrängt waren von den Tränen des kleinen
Jungen. Sie trockneten und sie konnte ihre Flügel ausbreiten.
Sie entfaltete sie und hob ab. Sie sah ihn an und lachte.
Und beide erkannten das Engel niemals flügellos sein werden, solange sie einen
Menschen haben, dem sie helfen können. Der sie braucht...
Mama
Ich wünsche dir dort, wo du jetzt bist, ganz oben dort bei
den vielen Engeln. Das du endlich zur Ruhe kommen kannst. Das du lächelnd nach
unten blickst und sehen kannst das du Menschen hinterlassen hast, die dich
nicht vergessen werden. In den Herzen wirst du immer weiterleben. Wenn wir die
Augen schließen, dann sehen wir dein Lächeln. Dieses lächeln das uns die Jahre
begleitet hat, uns Trost gegeben hat und das voller Liebe war. Durch dich sind
wir das geworden was wir heute sind, Menschen mit Herz, durch deine Liebe.
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