Einsamkeit und COVID19

Schon seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit einer Frage, der Einsamkeit in der Zeit von COVID-19. Warum, werden sich viele fragen, es ist einfach zu erklären, gerade jetzt spüre ich für mich wie schlimm es ist Einsam zu sein. Niemanden zu haben der da ist mit dem man reden kann. Vor der Krise konnte ich das ganze noch leicht überstehen indem ich Arbeiten ging. Mich ablenkte. Ich hatte meine Kundentermine, und wenn ich frei hatte dann blieb mir nicht viel Zeit zum Nachdenken, ich musste mich um den Haushalt kümmern, hatte noch die eine oder andere Arbeit zu erledigen und wenn nichts zu tun war dann ging ich spazieren. Während der Krise viel das alles Weg, keine Kundentermine, keine Arbeit, ja den Haushalt den habe ich natürlich weiterhin gemacht aber das ist nur eine Kleinigkeit nichts Besonderes. Spazieren gehen war einige Zeit auch nicht wirklich möglich denn irgendwie stellte sich das Gefühl ein das dies nicht richtig sei. Und gerade in diesen Tagen merkte ich wie Einsam ich bin. Ich möchte es einmal so ausdrücken, nicht Corona ist die größte Zivilisatorische Krankheit sondern die Einsamkeit ist es. Ich glaube viele haben gerade in den Tagen der Ausgangs Beschränkungen gemerkt wie es ist Einsam zu sein. Wenn niemand da ist, wenn man zu Hause sitzt und einem die Decke auf den Kopf fällt.

Aber was ist überhaupt „Einsamkeit“? Lässt sich ein solcher Begriff überhaupt statistisch abfragen? Diejenigen, die wahrhaftig einsam sind, werden es womöglich nicht zugeben – oder sind nur schwer aufzufinden. Diejenigen, die es nicht sind, werden unter Umständen behaupten, es zu sein. Entweder, weil sie damit den Anspruch verbinden, gehört zu werden, oder weil es in einer individualistischen Kultur auch ein bisschen chic ist, einsam zu sein.

Doch Einsamkeit ist in Wahrheit kein Gefühl. Sondern ein Erleben von Bezugslosigkeit. Ein Zustand, der Gefühle gerade verhindert. Gefühle sind von der Evolution „erfunden“ worden, um uns Informationen über uns selbst im Kontext unseres Verständnisses der Welt zu übermitteln. Sie beschreiben unsere Position in der Gesamtheit auf dieser Welt. Genau das geht aber in einer Depression, einer Welt der Schatten, verloren. Man kann sich selbst nicht spüren, man erkaltet innerlich. „In der Welt des Einsamen gibt es nichts, was sich vertraut anfühlt. Man ist fremd in der Welt“, so beschreiben es auch Psychologen. Auch meiner hat mir einmal gesagt das ich mich hier nicht Wohl fühle irgendwie falsch auf dieser Welt.

Menschliche Existenz ist Gesehen werden, Wahrgenommen werden erst dann existieren wir. Gerade in der Vereinsamung, in der Modernen Welt verlieren wir den Kontakt zu anderen, der Leistungsdruck treibt uns vorwärts. Damit sind wir umso mehr auf unsere sozialen Verbindungen und Verbindlichkeiten angewiesen. Einsamkeit ist auch nicht Alleinsein. Eher das Gegenteil: Einsamkeit entsteht immer auch aus der Unfähigkeit, „allein“, also ganz mit sich selbst, sein zu können.

Gibt es heute mehr Menschen die Einsam sind, ich glaube ja denn wir haben verlernt miteinander zu reden, den Blick zu heben und die Welt zu betrachten. In gewisser Weise ist Einsamkeit das logische Resultat unserer Modernen Gesellschaft. Früher in der Zeit als die Menschen noch Jäger und Sammler waren, die den weitaus größten Teil der Kulturgeschichte prägte, lebten die Menschen in Gruppen, Sippen und Stämmen eng zusammen. Einfach weil sie anders nicht überleben konnten. Einsamkeit führte zum sicheren Tod, erst in der Gemeinschaft war man sicher und wurde auch unterstützt.

Das begründet unseren ausgeprägten Drang zum Sozialen – sowie unsere Panik, aus diesem Sozialen Gefüge herauszufallen. Und es erklärt auch, warum in einem hochindividualisierten Zeitalter Einsamkeit ein so dringendes Phänomen wird und immer mehr Menschen dazu treibt krank zu werden. Das derzeitige alleine sein überfordert uns, es fehlt uns der Soziale Kontakt zu anderen. Wir brauchen das. Und gerade hier trifft es die Menschen die schon länger niemanden haben ganz besonders, es beginnt damit das man anfängt rastlos zu Hause herum zu laufen. Man fängt dies an und das an. Man setzt sich an den Computer und schreibt diverse Dinge in Sozialen Medien, irgendwie versucht man der Einsamkeit zu entkommen die gerade zu diesem Zeitpunkt wo man zu Hause bleiben soll einen in eine dunkle Schattenwelt treibt. In eine Welt vor der man eigentlich Angst hat und die man gar nicht möchte.

Im Netz fühlen wir uns zwar alle immerzu angesprochen und wollen „gelikt“ werden – und werden gerade deshalb in immer tiefere Schichten von Einsamkeit gestoßen. Das liegt auch daran, dass das Internet die Sphäre des immerwährenden Vergleichs ist, des ewigen Rankings. Alles wird bewertet – und meistens abgewertet. Ein ständiger Vergleichskampf nach oben ist im Gange, den nur wenige gewinnen können. Diejenigen, die sich am attraktivsten inszenieren können. Oder, im Kontrast, die am lautesten brüllen. Der Einsamkeits-Effekt der digitalen Medien entstammt der digitalen sozialen Kommunikation. Im Cyberraum werden wir alle zu Pseudonymen, die sich Intimität suggerieren. Doch in Wirklichkeit, wenn wir uns ehrlich sind ist es nur ein Ort wo ein jeder so tut als wäre alles gut. Man Präsentiert sich, zeigt sich, schreibt das eine oder andere. Manchmal ist es einfach nur Unsinn, manchmal völlig belangloses. Wir legen uns eine Digitale Maske zu hinter der wir uns verstecken.

Da gibt es Influencer und Influencerinnen die weiß Gott wie viele Follower haben, und auf jeden Like aus sind, aber sie können sich derer nie sicher sein. Schon morgen können sie der Gleichgültigkeit oder noch schlimmer Hasstiraden zum Opfer fallen. Im Internet, in den Sozialen Medien herrscht eine Art Narzisstischer Charakter und in diesem Milieu der Scheinwelt geht es sehr schnell das man abstürzt. Die Dosis um Aufmerksamkeit zu erregen muss ständig gesteigert werden, bis zum Ausstieg oder der Selbstvernichtung. Die Opfer dieser Onlinewelt sind inzwischen zahlreich, teils mit tragischem Ausgang. Oft blutjunge Menschen, die die digitale Demütigung nicht mehr ertrugen. Und doch ist das Internet und seine Medien nur ein davonlaufen, die wahren Dimensionen der Einsamkeitsmaschine Internet sind immer noch unbegriffen.

Es werden immer mehr Menschen die sich einsam fühlen, vermutlich sind es Millionen. Wirkliche zahlen gibt es dazu nicht. Erst jetzt merken Menschen die vor der Krise ein gutes Sozialleben hatten, damit meine ich viele Kontakte zu freunden und Bekannten wie es ist Einsam zu sein. Mancher hat das zuvor einfach abgetan und gesagt „Ach was das ist doch Blödsinn, geh raus und lerne leute kennen“ jetzt erst merken sie wie das ist wenn plötzlich kein direkter Kontakt mehr zu anderen besteht wie das ist. Es ist ein Gefühl der inneren leere, so als ginge man durch eine Nacht ohne Licht.

Wir haben nicht nur verlernt miteinander zu reden und uns dabei anzusehen. Wir haben auch verlernt andere anzusprechen. Heute ist das in den Hintergrund gerückt, jeder schaut in sein Handy und lebt zum Teil in seiner eigenen kleinen Welt. Dabei wäre es vielleicht sinnvoll wieder ein wenig mehr auf seine Umwelt, seine Mitmenschen zu achten. Die Zukunft lebt nicht von Künstlicher Intelligenz und von fliegenden Autos als sozialer Ersatz. Die Menschen sollten wieder lernen Miteinander zu leben und nicht nebeneinander. Vielleicht würden dann die Menschen die jetzt Einsam sind nicht mehr so einsam sein. Vielleicht sollten wir jetzt daraus etwas lernen und es verstehen.

In gewisser Weise ist all das nicht neu. Seit es die Moderne gibt, kursieren die Klage und Anklage der Vereinsamung. „All the lonely people, where do they all come from?“, sangen schon herzzerreißend die Beatles. Wie also ließe sich die Einsamkeit der Moderne überwinden?

Zunächst dadurch, dass wir sie akzeptieren. Einsamkeit ist ein Teil des Möglichkeitsraums der Modernen Gesellschaft, in der das Ich – oder das Selbst – eine andere Rolle spielt als in der Massen- und Klassengesellschaft der alten Zeit. Mehr denn je kommt es auf das innere Gleichgewicht an – auf die Fähigkeit, sich selbst, seine Gefühle zu verstehen, zu moderieren, in Kontext zu setzen. Dieses sein muss auch von allen Verstanden werden. Gerade diejenigen die bisher nicht verstehen wollten was Einsamkeit ist sollten darüber nachdenken, sich klar machen das es wie eine Krankheit ist die einen von innen heraus auffrisst.

Schrecklich wird das Leben, wenn wir den Kontakt zu uns selbst verlieren. Misslingt auf diese Weise das Individuelle, entsteht oft nicht mehr nur Stummheit, sondern Hass und Aggression. Bei mir war es so dass ich wieder lernen musste mich zu öffnen in meiner Freizeit, mich nicht zurück zu ziehen und darauf zu hoffen das schon alles gut wird. Das hat mich persönlich in ein Dilemma gestürzt, ich wollte nicht Einsam sein hatte aber nicht den Mut mich zu öffnen. Jetzt während der Wochen wo ich zu Hause war ist dieses Gefühl wiedergekommen. Ich muss mich wieder heraus Kämpfen aus diesem Loch, ich habe derzeit das Gefühl als würde ich den Ereignishorizont eines Schwarzen Loches überschreiten hinein zu stürzen. Wäre da nicht jemand mit dem ich mich unterhalte, mit dem ich immer wieder schreibe wäre ich schon längst hinabgestürzt.

Die neue Welt nach Corona könnte eine große Herausforderung werden, nicht nur für mich, für uns alle. Ein Individualpolitisches Projekt der Postmoderne, das wahre Versprechen an die Zukunft. Wir sind alle auf unsere Weise einzigartig, wertvoll, liebenswürdig, und wir sind alle angewiesen auf Verbundenheit und Verbindung. Es geht um eine neue Art von Humanismus, der den alten Traum vom sozialen Fortschritt auf eine neue andere Art und Weise lebt. Wir können doch jeder für sich die Hand ausstrecken und sagen komm ich geh mit dir ein Stück des Weges. Lass uns gemeinsam gehen. Schau du bist nicht Einsam da sind so viele die dich Kennenlernen möchten und die wie du wieder zusammenfinden möchten.

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