Wort suche

Es ist zum Verzweifeln ich sitze hier und habe meine Worte verloren. Viele Worte! Welche Worte? Wo soll ich nur suchen. Wie das Wiederfinden der Worte organisieren? Ja, hätte ich mein Handy verloren, ich wüsste wie ich vorzugehen hätte, um es wiederzufinden. Da gibt es doch eine entsprechende Suchfunktion. Unter Android. Ja, ich habe das Kästchen auf grün gestellt. Aber Worte? Finde ich eine entsprechende Einstellung? Finde keine. Worte suchen. Auf Google. Nein, ich will nicht Scrabble spielen. Auch nicht Kreuzworträtsel lösen. Will meine verlorenen Worte finden. Worte die seit heute Mittag als verloren gemeldet hatte. Ich setze mich an meinen Schreibtisch. Habe einen Espresso gebraut. Wie das riecht! Wird helfen meine Hirnwindungen in Fahrt zu bringen. Zu stimulieren.

Doch wo suchen? Finde im Netz keine Antwort die mir weiterhelfen kann. Doch! Genial! Wenn ich einzig das Wort ‚suchen‘ eingebe erscheint in zweiundzwanzigster Position FUNDBÜRO! Heureka! Öffnungszeit? Bis 17 h und jetzt ist Viertel vor Fünf! Los ich eile. Renne. Es sind drei Straßenzüge bis zum Magistrat, in dem das Städtische Fundbüro beheimatet ist. Wenn ich doch nur noch pünktlich dort sein kann. Denn ohne die verlorenen Worte die Nacht verbringen? Ein Albtraum! Im Traum zu suchen! Nein, das würde mir den Schlaf rauben. Von Worträubern entführt. Worträuber? Nicht verloren? Geraubt?

Bin außer Atem. Komme im Magistrat an. Suche auf der Info-Tafel. Fünfter Stock, Raum 24. Eile die Treppe hoch. Gut, dass ich dank dem täglichen Sport und meinem Beruf in guter Verfassung bin. Täglich herumlaufen und Kundentermine erledigen hält mich fit, trotz meiner bald 50 Jahre kann ich mit so manchem 25-Jährigen mithalten.

Vielleicht habe ich meine Worte im Korb verloren? Hineingespickt, ins Bodenlose gefallen? Die Zunge hängt mir aus dem Hals. Noch drei Minuten! 16.57. Außer Atem erreiche ich den Raum 24. Öffne die Türe. Heisere Worte fliegen mir entgegen: „Wir schließen in 1,5 Minuten“.

Auch das verlorene Wort?

„Ich suche meine verlorenen Worte. Heute Mittag vermisst. Haben Sie diese gefunden?“
Ein meckerndes Lächeln ertönt dem Worte hinterherhecheln: „Ach, Milliarden verlorene Worte, die finden Sie nicht hier, die schweben nutzlos in der Luft, vibrieren in der Kehle der Unendlichkeit und täglich vermehren diese sich wie Karnickel...“

Verdammter Mist ich habe mich umsonst abgehetzt, ich hätte nur das Fenster öffnen müssen und schon wären mir so viele Worte zugeflogen wie ich gesucht und verloren hätte. Ich wäre erschlagen worden von nutzlosen Worten.

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