Bär gesucht

„Ooomiiiii“ Benjamin rief so laut er konnte nach seiner Oma, bei der er heute übernachtet. Mit seinen 5 Jahren konnte er so laut sein wie Marktschreier auf dem Land der die Leute zusammenrief.

 

„Ja Benjamin, was ist mein Kind, ich komme sofort.“ Oma war in die Küche gegangen, um für ihn ein Glas Milch zu holen, welches er immer vor dem Einschlafen trinkt.

 

„Oma ich kann Knuddel nicht finden“, Benjamin klang beinahe panisch und ihm standen schon Tränen in den Augen als Oma aus der Küche zurückkam.

 

„Ach Benni mein Schatz, wir schauen jetzt in der ganzen Wohnung nach und wir werden Bär Knuddel ganz bestimmt finden, und wenn wir ihn gefunden haben könnt ihr beiden im Bett ganz doll miteinander kuscheln. Aber jetzt trink erstmal dein Glas Milch.“ Benjamin schaute Oma skeptisch an. „Ich mag erst Bär Knuddel suchen.“

 

„Also gut Benjamin, dann suchen wir erst Bär Knuddel. Weißt du denn noch, wo du ihn zuletzt hattest?“ fragt Oma.

„Ich hatte ihn im Rucksack als du mich vom Kindergarten abgeholt hast, das weiß ich ganz sicher.“ Benjamin zieht eine Grimasse als würde er sehr angestrengt nachdenken. „An mehr kann ich mich nicht erinnern und in meinem Rucksack ist er nicht.“ Bennis Blick wird traurig und trüb und schon kullern ihm die Tränen über die Wange.

 

„Na, na mein Schatz, du musst doch nicht weinen. Komm, Oma und Benni suchen jetzt den Bär Knuddel und als erstes schauen wir in deinem Rucksack nach.“

 

Oma nimmt Benjamin an die Hand und sie gehen als erstes in den Flur, in dem er immer den Rucksack nach dem Kindergarten auf der Sitzbank am Schuhregal abstellt. Sie schauen im Rucksack nach, doch dort ist er nicht. Sie suchen ihn weiter auf dem Telefonschränkchen, in der Bauerstube, dort unter der Sitzbank und in den Schränken, und an der Garderobe, doch sie finden ihn nicht.

 

Dann suchen sie in der Küche, am Esstisch, an dem Benni seine Erbsen und Karotten mit Nuddeln nach dem Kindergarten gegessen hat und an dem Bär Knuddel meist auch auf einem Stuhl sitzt und wartet bis Benjamin mit dem Essen fertig ist. Doch dort ist er auch nicht.

 

Sie finden dort nur BrumBrum das Rote Rennauto, das dort steht und darauf wartet das es wieder durch die Wohnung flitzen kann. Benjamin nimmt das Auto vom Tisch „BrumBrum der Bär Knuddel ist nicht da, komm du musst Oma und mir bei der Suche helfen" sagt er zur zum Rennauto.

 

Oma und Benni gehen weiter ins Wohnzimmer. Sie schauen an Benjamins kleinem Tisch mit Stühlen nach, an dem er am Nachmittag Bilder gemalt hatte. Bär Knuddel ist nicht zu sehen. Sie schauen weiter in die Spielekiste, in der sie jede Menge Bauklötze, ein Holzpuzzle, Legosteine und ein Spielzeugtelefon finden, aber leiden keinen Bär Knuddel.

 

Benjamin ist furchtbar traurig und Oma überlegt, was sie denn nur tun kann, um ihn aufzumuntern. „Ach meine lieber Benni, dein Bär Knuddel wird ganz, ganz sicher wieder auftauchen. Bestimmt hast du ihn im Kindergarten vergessen. Morgen früh fahren wir früh hin und gehen ihn abholen, ja?“

 

Benjamin schluchzt und weint und kuschelt sich eng an Oma. „Aber was, wenn er nicht mehr auftaucht? Oma ohne Bär Knuddel kann ich gar nicht schlafen." Ihm kullern dicke Krokodiltränen über die Wange.

 

„Weißt du was Benni, wir schreiben Bär Knuddel jetzt einen Brief und bitten ihn ganz schnell nach Hause zu dir zu kommen, was hältst du davon ?“ fragt Oma.

 

„Auja, das machen wir, wenn er den liest, kommt er bestimmt ganz schnell zu mir, Oma.“ Seine Augen strahlen voller Hoffnung.

 

Oma holt Stift, Papier und einen Briefumschlag.

Sie beginnt den Briefumschlag zu beschriften.

„An Bär Knuddel“

„Aber Oma“, beginnt Benni „wo schicken wir den Brief denn hin, wir wissen doch gar nicht wo Bär Knuddel im Moment ist?“

 

„Das ist richtig Benni, aber für verloren gegangene Stofftiere gibt es eine extra Poststelle, da schreiben wir hin, einverstanden?“

Benjamin nickt, er war froh, dass Omi sowas wusste.

 

Oma beschriftet weiter:

„An die Poststellte für verloren gegangene Stofftiere“

„So Benny jetzt fangen wir mit dem Text an, ja?“

Er nickt erneut.

 

„Ich beginne mit "Hallo lieber Bär Knuddel" und du sagst mir wie es weitergeht.“ sagt Oma zu ihm, der mittlerweile schon ganz kleine Äugelchen bekommen hat und gähnen musste. Die ganze Suche hat so lange gedauert, dass Bejamins Zeit zu Bett geh schon längst überschritten ist.

 

„Ist gut Oma, dann schreib bitte:

 

"Hallo liebe Bär Knuddel, hier ist Benjamin, dein allerliebster bester Freund. Ich bin hier bei Oma und du bist nicht da. Ich war noch nie ohne dich bei Oma. Das ist komisch. Oma und ich haben schon das ganze Haus nach dir abgesucht, aber wir können dich nicht finden. Ich vermisse dich aber so, lieber Bär Knuddel.

BrumBrum und ich werden die ganze Nacht auf der Couch auf dich warten, du kommst bestimmt. Wir stellen dir Milch und Kekse auch hin, und Oma noch den Honig dazu, dann kannst du gleich etwas essen, wenn du kommst, du bist bestimmt hungrig. Ich lege auch unsere Kuscheldecke auf der Couch bereit und wenn du dann kommst, dann kuscheln wir alle drei zusammen unter unserer Decke, wie immer. Bitte komm nach Hause liebster Bär Knuddel, dein Benjamin“

 

Oma schreibt alles genauso auf, wie Benjamin es sagt. Als Oma den Brief in den Umschlag steckt und zuklebet, sieht sie zur Couch hinüber und siehe da, Benjamin war mit seinem roten Rennauto im Arm eingeschlafen. Oma deckt ihn mit der Kuscheldecke zu und geht mit dem Brief in den Flur. Als sie den Brief dort auf das Telefonbänkchen legen will, sieht sie hinter der Sitzbank am Schuhregal, auf der Benjamin immer seine Kindergartenrucksack abstellt, eine bunte Mütze hervorlugen.

 

Oma geht näher heran und tatsächlich, es ist nicht nur die Mütze vom Bär Knuddel, es ist Bär Knuddel. „Da bist du ja, da wird Benny sich aber mächtig freuen, wenn er morgen früh aufwacht und du bist wieder da. Du hast uns einen schönen Schrecken eingejagt. Wie bist du nur hinter das Bänkchen gefallen? Bestimmt war Benni beim Hereinkommen wieder so stürmisch und hat den Rucksack nicht richtig geschlossen, dass du beim Hinstellen hinausgefallen bist. Du armer kleiner Bär.“ Oma entfernt die Wollmäuse von Knuddels Bauch und drückt ihn ganz feste an sich.

„Komm Ich bringe dich zu Ihm, dann könnt ihr beiden noch die ganze Nacht kuscheln.“ Oma geht mit Bär Knuddel ins Wohnzimmer, legt ihn ganz vorsichtig in Benjamins Arm, welcher den Bären, ohne aufzuwachen, direkt festumklammert. Ein Lächeln breitet sich auf seinem Gesichtchen aus und Oma gibt dem Bären und Elise noch einen Gute Nacht Kuss.


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