Spuren im Schnee

Endlich hat es wieder einmal ein wenig geschneit, ja ich mag Schnee, den er verbirgt unter seiner weißen Decke so einiges. Ich bin wieder unterwegs zu einigen Kundenterminen, dabei lasse ich mir Zeit. Die Schneeflocken tanzen vom Himmel herab und hinterlassen auf meiner Brille Wassertropfen. Dies stört mich nicht. Die Sträucher und Bäume werden langsam in ein weißes Gewand gehüllt, ein wunderschöner Anblick. Die Straßenlaternen, es ist ja schon Abend, tauchen alles in eine Art sanftes Licht.

Der kleine Junge kommt in mir hervor, und fordert mich auf Schneebälle zu machen, also bleibe ich stehen und greife beherzt in den Schnee der auf einem Auto liegt, ich mache ein paar Schneebälle. Ein Blick in die Runde und ich entdecke eine Verkehrstafel, ja warum nicht, das ist mein Ziel mal sehen ob ich sie treffe, sind ja doch einige Meter. Aber egal Hauptsache ich habe meinen Spaß dabei. Und schon werfe ich die ersten, tja was soll ich sagen, ich hätte vermutlich vorher Zielwasser trinken sollen. Kein einziger trifft, egal.

Ich muss weiter, hier in Pötzleinsdorf ist es ja doch so das kaum jemand bei einem solchen Wetter draußen herum geistert, naja ich vielleicht, während ich so vor mich hin stapfe erinnere ich mich an die Zeit als mein Sohn noch klein war. Kaum war der erste Schnee gefallen sind wir los gezogen mit der Rodel und haben uns den steilsten und wildesten Hang ausgesucht wo man runter fahren konnte ohne Gefahr laufen zu müssen eine Schlucht hinunter zu stürzen. Ja wir beide haben keine Gelegenheit ausgelassen das weiße Vergnügen zu nutzen. Bei diesen Gedanken umspielt ein Lächeln meine Lippen, es war eine schöne Zeit, heute mit seinen 25 Jahren würde er mich höchstens als verrückt erklären, wenn ich sagen würde, komm gehen wir Rodeln. Ja die Zeit ist in Land gezogen und vieles hat sich geändert, vieles ist anders geworden. Heute gehe ich meinen Weg alleine, zwar kommt mein Sohn ab und an zum Essen, die paar stunden zusammen, verbringen wir dann mit Plaudern über dieses und jenes. Ich bin stolz auf ihn und was aus ihm geworden ist.

Gedankenverloren merke ich das ich fast oben am Berg wo meine Kunde wohnt angekommen bin. Ich schaue zurück und sehe das ich eine Spur im Schnee hinterlassen habe, eine Zickzacklinie. Ich schaue auf diese Spur und mir fällt dabei auf das diese Spur irgendwie mein Leben darstellen könnte, wirklich gerade ist es nie verlaufen. Immer gab es irgendwas das mich kurzzeitig vom Weg abgebracht hat.

Ich höre auf meine innere Stimme, »Das ist doch ganz einfach!«, meint diese, »du hast dich immer auf andere Konzentriert, nie auf dich selbst dabei hast du immer wieder Umwege gemacht. Hättest du dich auf ein Ziel konzentriert wäre dein Leben ruhig und in einer geraden Bahn verlaufen.«

Meine innere stimme mag recht haben, doch ist mir genau bewusst, hätte ich mich nur auf mich Konzentriert dann wäre ich heute um einige Erfahrungen ärmer. Ja manche Erfahrung war bitter und hat weh getan, doch trotzdem möchte ich auch diese Erfahrungen nicht vermissen. Sie gehören zu meinem Leben, sie haben mir auch einiges Beigebracht. Aus so manchem was ich erlebt habe bin ich Erfahrungsreicher heraus gegangen, aus manchen auch nicht. Das ist das Leben, einige Jahre habe ich noch vor mir, und wie die Spuren im Schnee werden auch diese Jahre nicht gerade verlaufen, wer weiß was noch alles passieren wird.

Mit einem Lächeln das ein wenig von Bitterkeit aber auch Gewissheit geprägt ist drehe ich mich um und gehe Richtung Haus meiner Kunde um dort zu läuten.

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