1 Jahr und 390 Gedanken von mir

Ein Jahr, genau 365 Tage ist es her als ich meinen ersten Eintrag hier gemacht habe. Wie die Zeit vergeht, es ist unglaublich. In diesem Jahr ist mein Blog gewachsen, dies ist nun der 390 Eintrag. Vieles habe ich geschrieben, zu so vielen Themen. Mit vielen Dingen habe ich mich auseinandergesetzt. Vieles aus den vergangenen Jahren aufgearbeitet. Meinen Blog verbreite ich auf diversen Sozialen Plattformen, und dabei durfte ich einigen Menschen kennenlernen, mich mit ihnen austauschen, diese betrachte ich als Vorbilder, Ihr Denken und Ihr handeln hat mir gezeigt was Menschlichkeit ist, wo wirklich die Prioritäten liegen. Da sind Menschen dort draußen die laut gegen die Ungerechtigkeit der Welt rufen, die sich gegen Hass und Hetze stellen, die nicht ihren Mund halten. Diese Menschen durfte ich auf Twitter kennenlernen, und dafür bin ich dankbar.

Dabei habe ich viel über mich selber gelernt, vieles kann ich heute anders betrachten. Ich habe mich auch verändert. Ja, ich habe mich sehr verändert. Ich wurde oft gefragt wie ich früher war. Wie war ich? Lebenslustig, ich hatte Freude am Leben, ich konnte viel lachen, war zu scherzen aufgelegt.  Heute bin ich anders, das liegt auch daran das ich viel zeit hatte zum Nachdenken. Mein Leben ist ein gutes, ich habe es geschafft, mir geht es soweit gut, wirklich große sorgen muss ich mir nicht machen. Ich habe einen guten Job und mein Lebensumfeld ist ruhig und ausgeglichen.
Ich werde immer wieder gefragt warum ich diesen Blog schreibe, und warum ich das eine oder andere Thema hervorhebe. Das hat seine Gründe, lange habe ich mich mit Details über mich zurückgehalten, nur das eine oder andere ist in meinen Texten heraus zu lesen. Ich möchte nun einmal einen Schritt weiter gehen und in kurzen Worten schreiben warum ich heute so bin.

Franz, geboren in Wien im Februar 1971

Gleich mal bei der Geburt eine starke Sehbehinderung, da meine Mutter Röteln hatte. Einige Operationen nach der Geburt, wobei die Ärzte einiges falsch gemacht haben. Endergebnis, rechtes Auge fast ganz blind Sehstärke ca. 5 Prozent grauer Star, linkes Auge Hornhaut Verkrümmung Sehstärke ca. 70 Prozent

Danach schöne Jahre im Kindergarten und zu Hause verbracht, Volksschule. Wechsel an eine Sonderschule für Sehbehinderte und Blinde Kinder dort meinen Hauptschulabschluss gemacht. In diesen Jahren erfuhr ich dann auch das erste Mal bewusst wie grausam Jugendliche sein können. Ich wurde nicht einmal beschimpft oder verspottet, manchmal geschlagen von anderen Jugendlichen. Weil ich nun mal mein Kopf sehr stark schräg hielt und stark schielte. Auch von meinem Vater, der zwar wirklich ein Mensch ist, den ich liebe, kamen ab und an die Worte, ich sei behindert und ich würde es nicht wirklich in der Welt weit bringen.

Lehre als Einzelhandelskaufmann begonnen und nach 3 Jahren abgeschlossen.
Mit 21 Habe ich meine erste Frau kennen gelernt, diese Ehe hielt 2 Jahre. Eines Tages kam ich von der Arbeit früher nach Hause und damit hatte sie nicht gerechnet, ihr Liebhaber lief durch die Wohnung und suchte seine Kleidung zusammen. Ich habe mich Wortlos umgedreht und bin gegangen. Scheidung, bei der Scheidung erfuhr ich das ich auf einem Haufen Schulden saß.
Die nächsten paar Jahre habe ich das alles verarbeitet, bin übersiedelt. Dann lernte ich meine zweite Frau kennen, sie hatte einen Sohn aus voriger Ehe. Benjamin. Er war 3 als ich sie kennenlernte. Sie war Schwerhörig, in dieser Zeit lernte ich ein wenig die Gebärdensprache. Wir zogen nach einiger Zeit zusammen und bauten uns im Laufe der Jahre etwas auf. 

Ich arbeitete bis zu dem Zeitpunkt, in diversen Firmen. Unter anderem habe ich geholfen ein Sozialprojekt aufzubauen, ein Sozialprojekt für Behinderte Menschen. Danach bei einigen anderen Einrichtungen im Behinderten Bereich. In der Hauptsache Organisation und PR. In dieser Zeit wurde meine Tochter Anisa geboren, sie starb an plötzlichem Kindstod, ich habe noch versucht durch Reanimation das Kind zurück zu holen, leider vergeblich.

Ich arbeitete ab dem Jahr 2002 selbstständig, auch erhielt ich in diesen Jahren einen Staatspreis für meine Unterrichtstätigkeit. Ein knappes halbes Jahr später starb mein geliebter Großvater. Und im selben Jahr starben dann auch noch drei weitere Familienmitglieder. Die Tage danach kann ich nicht beschreiben da ich mich nicht mehr daran erinnern möchte. Die Ehe mit meiner 2 Frau dauert rund 11 Jahre, dann kahm der Moment. Ich war arbeiten meine Frau war an dem Tag in der Früh nicht nach Hause gekommen. Sie erschien in der Arbeit, an diesem Samstag kurz nach Ende des Kurses. Sie sagte mir, dass Sie einen anderen kennen gelernt habe und dass sie die Scheidung möchte. Am Tag darauf es war Sonntag früh, fragte sie mich ob ich ausziehen kann da ihr neuer Freund schon am Montag einziehen wolle. Ich bin gegangen. Was mir in diesem Moment am meisten weh getan hat war das ich Benjamin verlassen musste.

Einige Wochen überbrückte ich bei meinen Eltern, dann hatte ich eine Wohnung gefunden. Knapp 6 Wochen später erschien Benjamin bei mir und fragte ob er bei mir bleiben konnte, denn der neue Freund meiner Exfrau wollte ihn unter Kontrolle bringen, er gehörte einem anderen Kulturkreis an und wollte das Benjamin sich anpasste, natürlich sagte ich ja zu Benjamin. Also nochmals übersiedeln dann der Kampf mit den Gerichten und Jugendamt, Benjamin war ja nicht mein leiblicher Sohn, aber ich hatte Glück das Gericht entzog meiner geschiedenen Frau das Sorgerecht, und sprach mir das Sorgerecht zu, es wurde schriftlich festgehalten das ich der Vater von Benjamin bin. Aus dieser Beziehung habe ich 8 Jahre später dann noch einen kleinen Nachlass erhalten, meine geschiedene Frau ging in Privatkonkurs und die Banken holten sich von mir einen Teil der Schulden.

So gingen die Jahre dahin, ich hatte in dieser Zeit kaum Bekanntschaften da mir wichtig war für Benjamin da zu sein, eine einzige Beziehung hat sich in den Jahren dazwischen ergeben, diese ging aber aufgrund von Schwierigkeiten mit ihren Kindern in die Brüche. Mir war wichtig das Benjamin seinen Weg geht und dass er für sich das beste machte. Vor circa 6 Jahren hatte meine Mutter dann einen Schlaganfall inkl. Herzinfarkt sie lag einige Tage im Koma und auf der Intensivstation, war sie bisher munter und fidel war dies danach nicht mehr möglich. Sie ist ein Herzlicher Mensch und am liebsten würde sie alles machen, nur das geht nicht mehr seit damals. Sie hatte glück das sie mit mühe und Not überlebt hatte. Heute kann sie zumindest wieder lästern und schimpfen und das ist was Wunderbares.

Meine dritte Frau lernte ich vor ein paar Jahren kennen, sie kam aus Linz. Hatte zwei Mädels. Wir zogen dann über kurz oder lang zusammen und bauten uns gemeinsam etwas auf. Für die Mädels versuchte ich so gut es mir möglich war da zu sein, als Freund und Vater. Es war eine gute Beziehung, das kann ich wohl sagen. Im vorigen Jahr war dann ein Wendepunkt, wir fuhren auf Urlaub mit Freunden. hatte eine schöne Zeit. Vom Urlaub zurück teilte sie mir ein paar Tage später mit sie hätte eine eigene Wohnung gefunden und hätte eine Stelle bei einer anderen Firma angenommen. Sie möchte sich scheiden lassen. Innerhalb kürzester Zeit war sie ausgezogen und die Scheidung durch.

Das alles hat dazu geführt, dass ich dann einfach nicht mehr konnte ich habe mich zurückgezogen. Ich schloss für 2 Monate meine Firma, um einmal zu mir zu kommen. Und alles was ich erlebt habe in den Letzten 25 Jahren zu verarbeiten. Es waren ja nicht nur die Beziehungen, die gescheitert waren. Innerhalb meiner Familie starben in den letzten knapp 20 Jahren nicht nur meine Tochter, sondern auch mein Großvater, der andere Großvater. Meine Großmutter, mein Onkel und noch einige andere, auch ich habe noch einiges einstecken müssen.

Erst ein Motorradunfall, bei dem mir am linken Bein die Muskulatur zertrümmert worden ist, seither ist der linke Fuß weniger stark durchblutet als der rechte. Dann kahm vor einigen Jahren durch das viele Arbeiten ein Burnout. Es war dann noch nicht genug, weil wenn schon denn schon, dann gleich das volle Programm. Eine Gesichtslähmung ausgelöst durch einen Herpes Virus der die Komplette rechte Seite lahmgelegt hat. Die Rekonvaleszenz hat fast 6 Monate gedauert. Ich hätte in der Zeit beinahe alles verloren. Mit viel Kraft und Anstrengung habe ich mich da raus gearbeitet. Und vor kurzem, kamen dann die Probleme mit den Halswirbeln und die damit verbundenen Infiltrationen. Durch meine Seheinschränkung und das immer schräg halten des Kopfes waren nun mal meine Wirbel nicht mehr so wie sie sein sollten. Im September des vorigen Jahres stellten sich Schmerzen in der Hüfte bei mir ein, nach einigen Untersuchungen, die Mitteilung über kurz oder lang werde ich eine neue Hüfte brauchen, die vielen Jahren unterwegs im Beruf haben ihre Spuren hinterlassen.
Seit einigen Monaten zeigen sich Anzeichen bei meinem Vater das er dement wird, und es passiert nun immer öfter das er mich, wenn wir uns sehen beschimpft und als minderwertig bezeichnet. Aber ich nehme es hin, er ist mein Vater und egal was er mir sagt oder als was er mich bezeichnet, ich liebe ihn einfach.

Das ist die Kurzform meiner Geschichte. Ich denke damit ist auch erklärt warum ich meinen Blog betreibe.

Alles was ich erlebt habe hat aber etwas Gutes, so hatte ich die Zeit mir über vieles klar zu werden, neue Ziele ins Auge zu fassen, und mir Gedanken über den weiteren Weg zu machen. Wirklich das große Ziel habe ich nicht mehr, nein ich habe von meinem Leben soviel gehabt, soviel erlebt, soviel gutes gesehen. Heute bin ich stolz auf meinen Sohn Benjamin, der bald mit dem Studium fertig ist. Das ist mir genug. Ich durfte so viele schönen Momente erleben. Ich habe das Glück gehabt es so weit zu schaffen das es fast unglaublich ist. Ja natürlich hatte ich auch viele Erlebnisse die nicht sehr schön waren. Aber was wäre es für ein Leben, wenn es nicht ein auf und ab geben würde, aus jeder Erfahrung die man macht lernt man etwas. Und ich habe viel gelernt rückblickend. Es hat mir aber auch gezeigt wie kurz das Leben sein kann. Das hat mir den Stellenwert einzelner Dinge gezeigt. Vielleicht hätte ich den einen oder anderen Fehler nicht machen sollen, aber das wird einem erst später bewusst, wenn es schon zu spät ist.

Nein, es ist egal ich kann nichts mehr ändern, und so soll es bleiben. Ich bin dankbar. Viele lesen meine Beiträge, damit habe ich nie gerechnet. Es schreiben mir Menschen von denen ich nie gehört habe, und bedanken sich bei mir, dafür bin ich zutiefst dankbar. Es zeigt mir, ich bin nicht alleine mit meinen Gedanken, meinen Erfahrungen. Und manchmal kann ich dem einen oder anderen helfen. Das ist mir wichtig, das war mir immer wichtig. Irgendwann muss man der Wahrheit in die Augen schauen und dann wird man erkennen was alles war und was sein wird.

Heute tanke ich Kraft indem ich mich einfach anziehe und spazieren gehe, dabei vielleicht das eine oder andere Fotografiere, ja da gibt es schon ein paar Tausend Fotos, ich weiß. Und ich setze mich dann gerne einfach hin und beobachte die Menschen, schauen ihnen zu wie sie sich unterhalten, wie sie miteinander Flirten oder streiten. Ich sehe Mütter und Väter mit ihren Kindern vorbei gehen und denke daran wie es war als mein Sohn klein war. So manches ältere Ehepaar, das sich immer noch innig liebt, Händchenhaltend vorbei geht. Kinder die Lachen und laut redend miteinander vorbeilaufen, weil gerade die Schule geendet hat. Solche Dinge, das Leben, beobachte ich sehr genau.  

Es gibt die Phasen der Stillen die sich vor einem verbeugen. Dann Blickt man nach oben und sieht den Glanz der Sonne die einem zulächelt. Die Augen sehen dann das was gesagt worden ist.
Übung macht den Meister sagte die Amsel zu ihren Kindern im Nest, als sie mit einem Wurm angeflogen kam, um diese zu füttern. Sie wusste, dass sie Nahrung brauchten. Ja so wie jeder von uns, die wir geistige Nahrung brauchen und danach suchen. Außerhalb von uns selbst ist die nicht zu finden. Nur in der Stille in einem selbst bekommt jeder den Feinschliff für die eigenen Visionen und Träume. Es gehört Mut dazu dies zuzulassen, aber in der Welt der Phantasie ist alles möglich für einen selbst. Durch die Phantasie ist es erst möglich schönes für einen selbst und für andere zu kreieren. Wissensdurst verleiht Flügel wie der Amsel, die Futter für ihre Jungen suchte. Und genau das setze ich um.

Was noch kommen mag kann ich einfach nicht sagen, noch treibt mich meine Seele vorwärts, immer neue Gedanken kommen an die Oberfläche die ich dann hier schreibe. Wie lange noch kann ich auch nicht beurteilen. Ich mache es aus dem Herzen heraus.


Alles in allem kann ich jedem der meine Beiträge liest aus ganzen Herzen nur danke sagen. Danke für das Lesen, danke für eure Nachrichten, danke für euren Zuspruch, danke das ihr da seid. 


Kommentare

  1. Ich danke dirund ich bewundere dich für deine Offenheit, die Kraft und Hoffnung die du anderen damit gibst damit. Es ist manchmal unvorstellbar was ein Mensch alles aushalten kann oder muss
    Das alles zu verkraften und sich wieder zurückkämpfen, dazu gehört viel. Ich bin noch nicht ganz über den Berg, aber am besten Wege.
    Es ist erstaunlich was du so gemeistert und geleistet hast in deinem Leben. Ich kann vieles nachvollziehen und verstehe dich. Du lässt dich nicht unterkriegen und dennoch lese und spüre ich zwischen deinen Zeilen manchmal ein drückendes Gefühl, dass du dann mit lustigen Kommentaren überspielst. Das kommt mir sehr bekannt vor.
    Deinen Humor hast du nicht verloren und das ist gut so.
    Du bist mir in dieser kurzen Zeit sehr ans Herz gewachsen, weil du mich verstehen kannst und auch immer die richtigen Worte findest. Du gibst mir Mut und Zuversicht, du hörst zu. Das ist für mich auch wichtig um meine Psyche zu festigen, klingt vielleicht nicht so gut, aber es ist so. Mein begangener Fehler liegt noch nicht soweit zurück und ich leide noch immer und Weine auch oft, heimlich. Es wird noch einige Zeit dauern, ich weiß.
    Aber jetzt habe ich von mir erzählt das wollte ich eigentlich nicht.
    Einige deiner Geschichten habe ich durchgelesen und jede für sich ist wunderschön. Am besten gefällt mir natürlich die von Knuddel, weil ich Bären sehr mag. Du bist sehr gefühlvoll und herzlich. Ich danke dir für alles ......

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    1. Vielen lieben danke für deine wundervollen Zeilen und ja meinen Humor werde ich trotz allem nicht verlieren auch wenn er nicht mehr so im vordergrund steht wie früher. Ich wünsche dir auf deinem Weg von ganzem Herzen alles liebe und viel kraft .

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